Wolle färben Schritt für Schritt

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Ihr Lieben,

nachdem ich jetzt zum 4. Mal Wolle gefärbt habe, wollte ich euch eine lustige und möglichst verständliche Schritt-für Schritt-Anleitung mit vielen bunten Bildern erstellen. Es gibt zwar viele verschiedene Möglichkeiten, aber dann wisst ihr mal, was bei mir am besten funktioniert.

Man nehme:

  • Wolle
  • Lebensmittelfarben (ich empfehle Dr. Oetkers Back- und Speisefarben)
  • Essig (ich nehme den günstigsten Apfelessig, dann kann man ruhig ordentlich viel nehmen)
  • Alu- und Frischhaltefolie
  • ein Backblech
  • eine Mikrowelle
  • Plastikbecher
  • ein paar Löffel (keine Angst, die kann man ja wieder abwaschen)
  • Durchsichtige Plastiktüten oder noch besser: Plastikhandschuhe

Ein paar einleitende Worte zur Wolle:
Wer färbt, will natürlich schöne Wollqualitäten verwenden. Die gibts im Internet zuhauf zu bestellen. ABER: beim ersten Mal würde ich doch dazu raten, das ganze erstmal mit weniger wertvoller Socken- oder Restewolle auszuprobieren. Ich habe beispielsweise ganz einfache 100g-Sockenwollknäuel gekauft, um einen Stuhl zum Strang gewickelt und damit erstmal das Färben ausprobiert. Ihr könnt auch helle Reste, die bei euch im Schrank liegen färben. Auf jeden Fall muss man ein bisschen ein Gefühl dafür kriegen – ich bin froh, dass ich erstmal 2 Testläufe gemacht habe, bevor ich mich an edlere (und dementsprechend teurere) Wolle gewagt habe.
Unterschiedliche Wollqualitäten nehmen die Farbe auch unterschiedlich auf. Ich habe bis jetzt nur Schurwolle, Merino und Merino-Nylon-Qualitäten gefärbt. Bei Baumwolle ist das glaube ich etwas schwieriger.
Meine „edlere“ Wolle habe ich bei http://www.supergarne.com bestellt!

Schritt 1: die Wolle einweichen
Ich lasse das Waschbecken einfach mit kaltem Wasser, einem Schuss Seife und einem kräftigen Schluck Apfelessig einlaufen. Rein mit der Wolle, die entweder schon als Strang kommt oder ansonsten vorher zum Strang gewickelt wurde.
Das ganze mindestens 30 Minuten liegen lassen und darauf achten, dass auch wirklich die komplette Wolle im Wasser liegt.
Während das ruht, kann man in Ruhe den Rest vorbereiten.
(Leider gibt es hier kein Foto, soweit habe ich nicht gedacht – aber Ihr könnt es euch bestimmt vorstellen!)

Schritt 2: Vorbereitung
Nehmt euer Backblech und bedeckt es mit Alufolie. Am besten am Rand etwas überstehen lassen und damit „festmachen“. Danach wird das ganze Blech mit Frischhaltefolie bedeckt.
Jetzt könnt ihr schonmal eure Farben mischen. Einfach etwas Lebensmittelfarbe in den Becher geben, mit Wasser verdünnen und einen kräftigen Schluck Essig dazugeben. Ich nehme auch hier wieder lieber zu viel Essig als zu wenig! Die Farben könnt ihr mischen wie es euch gefällt.
Ich überlege mir meistens vor jedem Strang grob, in welche Farbrichtung es gehen soll, und stelle mir dann 2-3 Becher Farbe bereit, die ich dann beim Färben noch weiter vermische etc.

Schritt 3: jetzt kommt die Wolle
Schnappt euch den ersten Strang aus dem Waschbecken und wringt ihn vorsichtig (!) aus, damit er nicht mehr triefend nass ist. Je nasser der Strang, desto heller und verlaufener werden die Farben. Wenn ihr ganz klar abgesetzte Farben wollt, sollte der Strang lieber etwas mehr ausgequetscht werden. Aber feucht muss er natürlich trotzdem sein.
Den Strang breitet ihr jetzt auf dem Blech aus und zwar so, dass ihr möglichst viel Fläche habt. Fächert die Wolle ein wenig auf, wie in dem Bild:

IMG_20150822_125048Schritt 4: auf die Plätze, fertig, färben!
Wer keine bunten Hände will: Handschuhe an! Oder meine Variante: eine Hand wird in einen durchsichtigen Müllbeutel gesteckt. Funktioniert genauso und ist günstiger 🙂
Je nachdem, was für Ergebnisse ihr wollt, könnt ihr die Farbe entweder punktgenau mit einem Löffel platzieren oder einfach einen „Schluck“ über die Stelle, die ihr färben wollt, kippen. Ich mache meistens eine Mischung. Damit die Farben sich verteilen und auch die unteren Woll-Lagen was abbekommen, drücke ich den Strang mit der behandschuhten Hand oder dem Löffel ein wenig aus und verteile so die Farbe. Das ist glaube ich eine Geschmacks- und Übungssache, einfach testen. Wenn ihr die Farbe zu großzügig auftragt, bilden sich Farbpfützen, in die ihr einfach den Strang reinlegen bzw. drücken könnt. Aber denkt dran: so vermischen sich die Farben sehr gerne und nur zu schnell habt ihr dunkle Farbe da, wo ihr sie eigentlich nicht wolltet. Auch mein blau-gelber Strang wurde auf diese Art und Weise ziemlich grün 🙂
Wenn ihr fertig seid, schüttet eventuelle Farb-Wasser-Pfützen vorsichtig aus und schiebt die Wolle vorsichtig zusammen.
Das sieht dann so aus:
IMG_20150819_133050Schritt 5: Einpacken und ab in die Mikrowelle!
Das Schwierigste habt ihr geschafft. Jetzt macht ihr aus der Wolle eine Art Haufen und wickelt ihn mit der darunterliegenden Frischhaltefolie zu einem Päckchen.
ACHTUNG: da ist flüssige Farbe dran. Also: Wenn ihr dunkle und helle Farben in einem Strang habt, macht die hellen Farben nach oben. Ansonsten läuft die Farbe runter und ihr habt ungewünschte Mischkreationen. Ich habe das sehr schmerzhaft gelernt.
Das Paket legt ihr auf einen Teller und dann ab in die Mikrowelle. Ich mache 2 Minuten auf Stufe 900, dann lass ich das ganze ca. 5-10 Minuten ruhen und schicke es dann nochmal 2 Minuten auf gleicher Stufe rein.
Keine Angst wenn das ein bisschen bitzelt, die Wolle (und die Folie überleben das).
VORSICHT: das Ergebnis ist extrem heiß und manchmal habt ihr kleine Pfützen mit sehr heißem Wasser auf dem Teller. Also: am besten eine Weile in der Mikrowelle bei offener Tür abkühlen lassen und dann mit einem Spültuch o.ä. vorsichtig rausnehmen.
So sieht das bei mir aus:
IMG_20150822_134055 IMG_20150822_134008Schritt 6: Geduldig sein!

Habt ihr die Wolle erst aus der Mikrowelle genommen, müsst ihr euch leider gedulden! Ich stelle die Teller samt Wollpäckchen meist auf das Fensterbrett. Sobald die Wolle nicht mehr knallheiß ist, schneide ich vorsichtig die Folie auf, damit das ganze besser abkühlen kann. Ansonsten müsst ihr leider wirklich warten, bis die Wolle kalt ist! Achtung, wenn ihr zu früh mit dem Auswaschen anfangt und die Wolle noch heiß ist, kann das ganze FILZEN! Das wäre doch schade um die ganze Arbeit, oder?
Also, geduldig sein und warten, wenn die obere Wolle kühl ist könnt ihr das ganze auch mal umdrehen, bis eben der ganze Strang gleichmäßig abgekühlt ist.

IMG_20150822_140050 IMG_20150822_140056Schritt 7: Auswaschen

Beim Auswaschen werdet ihr sehen, ob eure Farben wirklich fixiert sind. Bei mir ging das bis jetzt immer gut, bis auf eine Ausnahme: beim letzten Färben habe ich mir eine teure schwarze Farbe der Marke „Rosenheimer Gourmet Manufaktur“ gekauft und SIE HAT AUSGEBLUTET: AHHHHHH! Von der Farbe kann ich also NUR ABRATEN.
Aber ansonsten passiert eigentlich nichts (mit den Dr. Oetker Farben hatte ich noch nie Probleme, da kommt kein Tropfen Farbe wieder raus). Also kommen wir zur Sache:
Ihr wascht die Wolle ganz einfach vorsichtig unter kaltem Wasser aus. Sollte die Wolle da ihr doch ungeduldig wart, noch etwas wärmer sein, versucht, dass Wasser anfangs auf die gleiche Temperatur zu bringen und dann langsam kühleres Wasser zu nehmen. Sofern nichts ausblutet, schaut einfach, dass ihr den Strang gleichmäßig gewaschen habt und wringt ihn dann gaaanz vorsichtig aus. Jetzt legt ihr ein Handtuch auf den Boden, gebt den Strang darauf und wickelt ihn in das Handtuch aus. Wenn ihr jetzt das Handtuch drückt, wird die Wolle so ganz sanft getrocknet ohne kaputt zu gehen.
Danach den Strang aus dem Handtuch auswickeln, ordnen und aufhängen.

Falls eure Farbe doch ausbluten sollte: legt den Strang 10-15 Minuten in Essigwasser ein! Dies habe ich auch bei meinem Strang mit der oben erwähnten bösen Schwarz gemacht, der inzwischen hellgrau ist…
IMG_20150822_145906Schritt 8: Aufhängen und Trocknen

Je nach Wetter und Möglichkeit gibt es verschiedene Optionen: bei kaltem/nassen Wetter funktioniere ich unseren Wäscheständer um und trockne die Wolle dort. Da es bei uns im Wohnzimmer deutlich wärmer ist, hänge ich die Stränge sobald sie schon relativ trocken sind, früher oder später ins Wohnzimmer um, wo sie dann komplett austrocknen dürfen.
IMG-20150819-WA0000
Bei gutem Wetter ist das natürlich einfacher: die Stränge kommen einfach auf den Balkon/in den Garten/etc.
IMG_20150822_145605IMG_20150822_154004Kleiner Tipp: Trocknet eure Wolle, läuft das Wasser natürlich nach unten. Dementsprechend drehe ich den Strang nach einer Weile um, damit er gleichmäßig trocknen kann.

Schritt 9: Einen schönen verzopften Strang herstellen und genießen!

Ist der Strang auch wirklich überall komplett trocken, könnt ihr ihn schön machen. Dafür haltet ihr ihn mit beiden Händen und dreht ihn ein, bis er sich selbst aufdreht. Ein Ende durch das andere stecken und schon habt ihr einen wunderschönen, handgefärbten Strang, der bewundert und aufgehoben kann, bis er verstrickt wird!
Wer das nicht auf Anhieb versteht: dafür gibts gute Video-Tutorials auf Youtube!
Am Ende sieht das dann ungefähr so aus:
handdyedlace juliafärbt2So. Jetzt wünsche ich euch GAAANZ VIEL SPAß! Wenn man das ganze aufschreibt, klingt das furchtbar kompliziert! Ist es aber überhaupt nicht! Nach einem Strang hat man das meiste begriffen und den Rest lernt man glaube ich nur durch Herumprobieren.
Ich habe hier meine Erkenntnisse aufgeschrieben, ich bin aber auch kein Vollprofi sondern habe einfach nur probiert, bis es funktioniert hat. Für mich funktioniert es so und ich komme mit der Methode einfach am besten klar.

Ich hab mal meine Färbe-Ergebnisse, die noch nicht verstrickt wurden, auf einen Haufen gelegt:
handdyedallSieht doch nicht schlecht aus, oder?

Ich habe meine Inspiration und Anleitungen von folgenden 2 Seiten:
einmal die Anleitung vom Bastelschaf bzw. Sonja, die den Gastbeitrag für das Bastelschaf geschrieben hat: LINK
UND einmal die Anleitung vom Wollhuhn, die ich zufällig über Google gefunden habe: LINK

So, jetzt traut euch einfach!
Ganz liebe Grüße,

Julia

PS: Achja, solltet ihr wirklich das Färben probieren, würde ich mich unglaublich freuen, eure Ergebnisse zu sehen!

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9 Gedanken zu “Wolle färben Schritt für Schritt

  1. Sind toll geworden, deine Färbeergebnisse! Dann bin ich ja froh, dass „meine“ Anleitung so gut funktioniert.. 🙂 Weil ich jetzt nicht 1:1 gegengecheckt habe – hast du was verändert oder die Anleitung so angewandt, wie Caro sie auf meinem Blog empfohlen hat?

    Liebe Grüße!
    Bastelschaf

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    • Vielen Dank! Ich hoffe, du hast nicht das Gefühl, ich hätte deine Anleitung geklaut oder sonst etwas?! Falls du das Gefühl hast, meld dich einfach nochmal, das war nämlich definitiv nicht meine Absicht.
      Ich hab mich ja wie gesagt an zwei Anleitungen orientiert, den Trick mit der Seife im Essigwasser hattet ihr nicht, abgesehen davon lasse ich die Wolle im Waschbecken eher kürzer einweichen, das reicht eigentlich völlig (meiner Erfahrung nach). Ansonsten wollte ich einfach ein bisschen mehr auf Kleinigkeiten eingehen, die ich so mache. Also ich habe nichts gefunden, wo ich sage „nein, das mache ich völlig anders als Caro oder der Rest der Wollfärber“, ich wollte nur meine persönlichen Erfahrunge teilen und eine Art Bilder-Anleitung der einzelnen Schritte einfügen, da ich sowieso alles ständig fotografiere.
      Ist das für dich/euch in Ordnung? 🙂
      Ganz liebe Grüße zurück!

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      • Ach na klar ist das in Ordnung, aber lieb, dass du fragst! Hat mich nur mal interessiert, wie du es nun machst. Werde gegen Herbst bestimmt auch endlich mal einen Versuch starten.. 🙂
        Schönen Abend!

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      • Oh, das ist lieb, jetzt hatte ich mir doch etwas Sorgen gemacht! Kann ich dir auf jeden Fall nur empfehlen, mir macht das Färben unglaublich viel Spaß. Und man hat einfach sooo viele Möglichkeiten 😉 dir auch!

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  2. Mariella

    Huhu habe große Lust aufs Wolle färben, aber hab leider keine Mikrowelle. Würde das auch alternativ im Backofen funktionieren?
    Danke für die super Anleitung mit den schönen Bildern.

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    • Hallo! 🙂 mit dem Backofen geht das theoretisch auch, da gibt es bestimmt einige genauere Anleitungen im Internet – selbst probiert habe ich das nämlich noch nicht.
      Zwecks DK Garne kann ich dir leider nichts sagen, sorry! LG 🙂

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